Ghostwriting in der akademischen Welt: Ethische Grenzen und Alternativen
Ghostwriting ist nicht nur in der Unterhaltungsbranche verbreitet, sondern auch in der akademischen Welt, wo wissenschaftliche Integrität oberstes Gebot sein sollte. Dieser Artikel untersucht die ethischen Probleme, die Verbreitung, die Hintergründe und die Rechtslage des akademischen Ghostwritings. Außerdem werden Alternativen und Lösungsansätze vorgestellt, um die Authentizität wissenschaftlicher Arbeiten zu sichern.
Was genau ist akademisches Ghostwriting?
Akademisches Ghostwriting liegt vor, wenn eine Person im Auftrag einer anderen wissenschaftliche Texte verfasst, ohne selbst als Autor genannt zu werden. Das Spektrum reicht von der Erstellung ganzer Forschungsarbeiten bis zur Überarbeitung einzelner Manuskripte. Während unterstützende Tätigkeiten wie das Korrekturlesen grundsätzlich legitim sind, wird Ghostwriting dann zum Problem, wenn die tatsächliche Urheberschaft verschleiert wird. Es handelt sich um eine Form wissenschaftlichen Fehlverhaltens, die oft schwer nachzuweisen ist. Gründe hierfür sind unter anderem die Anonymität im Internet, professionelle Arbeitsweisen der Ghostwriter und die Grenzen aktueller Detektionstechnologien, wie Forschung & Wissen berichtet (Quelle).
Verbreitung und unbekannte Fälle
Wie weit Ghostwriting in der Wissenschaft tatsächlich verbreitet ist, lässt sich nur schwer exakt beziffern, da diese Praxis meist verdeckt abläuft. Studien und Recherchen, wie die von SciELO in Perspective erwähnte Google Scholar-Analyse, deuten jedoch auf ein erhebliches Problem hin. Dies gilt insbesondere für Bereiche mit hohem Publikationsdruck und kommerziellen Interessen, wie etwa die Medizin (Studie). Eine Untersuchung des US-Senats enthüllte Ghostwriting-Skandale an renommierten medizinischen Fakultäten; auch hochrangige Fachzeitschriften waren involviert (Bericht). Es ist davon auszugehen, dass auch in anderen Fachbereichen eine erhebliche Anzahl von Fällen nicht erfasst wird.
Ethische Konflikte des Ghostwritings
Akademisches Ghostwriting steht im Widerspruch zu grundlegenden Werten der Wissenschaft. Im Folgenden werden einige der wichtigsten ethischen Konflikte näher beleuchtet:
Verletzung der Autorenschaft
Wissenschaftliche Arbeiten sollten die individuellen Ideen und Forschungsergebnisse der genannten Autoren widerspiegeln. Ghostwriting verschleiert, wer tatsächlich für den Inhalt verantwortlich ist. Die Wittenborg University of Applied Sciences betont, dass es sich hierbei primär um eine ethische und nicht nur um eine rechtliche Frage handelt (Wittenborg).
Gefährdung der wissenschaftlichen Integrität
Wenn Ghostwriter im Auftrag kommerzieller Akteure handeln, besteht die Gefahr von Interessenkonflikten und verzerrten Forschungsergebnissen. So nutzen beispielsweise Pharmaunternehmen Ghostwriter, um Forschungsergebnisse zu ihren Gunsten zu beeinflussen, wie SciELO berichtet (Bericht).
Mangel an Transparenz
Die Verschleierung der wahren Urheberschaft erschwert die Rechenschaftspflicht erheblich. Organisationen wie MECC und AMWA weisen auf diese Missstände hin (Enago Academy).
Gründe für die Nutzung von Ghostwriting
Die Gründe, warum Studierende oder Forschende Ghostwriter beauftragen, sind vielfältig. Häufig spielen hoher Leistungsdruck, Zeitmangel, Sprachbarrieren oder eine unzureichende Unterstützung durch die jeweilige Institution eine Rolle. Einige fühlen sich schlichtweg überfordert, wie Forschungen von Draper & Newton zeigen (Studie).
Psychologische Faktoren
Neben den strukturellen Gründen spielen auch psychologische Faktoren eine wichtige Rolle. Versagensängste, Perfektionismus und das Gefühl, den Anforderungen nicht gewachsen zu sein, können dazu führen, dass Studierende oder Forschende auf Ghostwriting zurückgreifen. Eine umfassende Betrachtung dieser psychologischen Aspekte ist entscheidend, um das Phänomen des akademischen Ghostwritings vollständig zu verstehen.
Die Rechtslage zum Ghostwriting
Die rechtliche Situation rund um das Thema Ghostwriting ist vielschichtig und unterscheidet sich von Land zu Land. Während Essay-Agenturen in einigen Ländern, wie den USA und Neuseeland, verboten sind, gibt es in anderen, wie Großbritannien, rechtliche Grauzonen (Überblick).
Rechtslage in Deutschland
In Deutschland ist die Rechtslage nicht immer eindeutig. Grundsätzlich ist das Verfassen einer wissenschaftlichen Arbeit durch einen Ghostwriter und deren Einreichung unter dem Namen des Auftraggebers als eigene Leistung eine Täuschung. Dies kann, je nach Prüfungsordnung, zum Nichtbestehen der Prüfung oder sogar zur Exmatrikulation führen. Auch zivilrechtliche Konsequenzen, wie Schadensersatzforderungen, sind möglich. Es wird diskutiert, das Anbieten solcher Dienste für Studierende unter Strafe zu stellen, um einen besseren Schutz vor unseriösen Angeboten zu gewährleisten.
Internationaler Vergleich
Im internationalen Vergleich zeigt sich, dass einige Länder strengere Gesetze gegen akademisches Ghostwriting haben als Deutschland. In den USA beispielsweise ist das Anbieten von Ghostwriting-Dienstleistungen in einigen Bundesstaaten illegal. In Neuseeland ist es ebenfalls verboten, solche Dienste anzubieten oder zu bewerben. Diese Unterschiede in der Rechtslage verdeutlichen die unterschiedlichen Herangehensweisen an das Problem des akademischen Ghostwritings.
Alternativen und Lösungsansätze
Um die Integrität wissenschaftlicher Arbeit zu gewährleisten, braucht es Alternativen zum Ghostwriting. Hier sind einige vielversprechende Ansätze:
Förderung von Schreibkompetenzen
Hochschulen sollten verstärkt in die Schreibausbildung ihrer Studierenden investieren. Dies kann durch Kurse, Workshops und individuelle Betreuungsangebote geschehen. Schreibzentren können hierbei eine zentrale Rolle spielen.
Mentoring-Programme
Erfahrene Wissenschaftler können Nachwuchsforschende als Mentoren unterstützen und ihnen bei der Entwicklung ihrer Schreibfähigkeiten zur Seite stehen.
Kollaboratives Schreiben
Bei gemeinsamen Forschungsprojekten sollten die Beiträge aller Beteiligten klar und transparent dokumentiert werden.
Redaktionelle Unterstützung
Eine legitime Unterstützung, wie die Sprachüberarbeitung oder das Korrekturlesen, ist akzeptabel, solange die inhaltliche Urheberschaft klar erkennbar bleibt.
Technologische Hilfsmittel in der Wissenschaft
Der Einsatz von KI-basierten Grammatik- und Plagiatsprüfungsprogrammen kann dazu beitragen, die Qualität und Originalität wissenschaftlicher Texte zu verbessern. Allerdings ist hierbei Vorsicht geboten.
Chancen und Risiken von KI-Tools
KI-basierte Schreibwerkzeuge bieten einerseits Chancen zur Verbesserung der Sprachqualität und zur Erkennung von Plagiaten. Andererseits bergen sie auch Risiken. Es besteht die Gefahr, dass solche Tools missbraucht werden, um die Urheberschaft weiter zu verschleiern. Daher ist es wichtig, klare Richtlinien für den Einsatz solcher Werkzeuge zu entwickeln und die Studierenden und Forschenden für einen verantwortungsvollen Umgang zu sensibilisieren. Die Enago Academy bietet hierzu hilfreiche Informationen (Enago).
Professionelle Begutachtung
Professionelle Reviewing-Services können den Peer-Review-Prozess unterstützen und zur Qualitätssicherung beitragen.
Ausblick
Akademisches Ghostwriting ist ein vielschichtiges Problem, das sowohl individuelle als auch strukturelle Ursachen hat. Umfassende Maßnahmen sind erforderlich: die Förderung von Schreibkompetenzen, klare Richtlinien, die Sensibilisierung für ethische Fragen und Sanktionen bei Verstößen. Zukünftig wird es entscheidend sein, die Bewertungskulturen an Hochschulen zu überdenken. Alternative Formen der Leistungsbeurteilung, die weniger anfällig für Ghostwriting sind, sollten etabliert werden. Die zunehmende Digitalisierung und der Einsatz von KI-basierten Schreibwerkzeugen bringen neue Herausforderungen, aber auch Chancen mit sich. Der Kampf gegen akademisches Ghostwriting ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die alle Akteure der Wissenschaft betrifft – Studierende, Forschende, Lehrende, Universitätsleitungen, Verlage und politische Entscheidungsträger. Nur durch gemeinsames Handeln kann die Glaubwürdigkeit und Integrität der Wissenschaft langfristig gesichert werden.